Ein kluger Satz ist schnell geteilt. Ob er in einer konkreten Situation hilft, zeigt sich meistens erst danach. Bei einigen der fünf oft gemeinsam verbreiteten „Gesetze“ lässt sich die Zuschreibung zudem nicht verlässlich belegen. Ich nehme ihre Gedanken deshalb lieber als Anregungen mit. Zum Anwenden gehört für mich auch das Prüfen.

1. Vorsorge darf unspektakulär sein

Wer mit einer Panne rechnet, muss sie nicht herbeireden. Eine zweite Datei, ein geladener Akku oder zehn Minuten Reserve können schlicht vernünftig sein. Vorsorge hat nur einen kleinen Nachteil: Wenn sie funktioniert, bekommt sie selten Applaus. Die Reserve fällt niemandem auf. Den schwarzen Bildschirm merkt sich die ganze Runde.

2. Das Problem braucht einen Namen

„Bei uns funktioniert die Kommunikation nicht“ klingt nach einer großen Baustelle. „Wir erfahren Terminänderungen erst, nachdem der Kunde angerufen hat“ lässt schon eher erkennen, wo man beginnen könnte.

Masicampo & Baumeister (2011) haben in mehreren Experimenten festgestellt, dass konkrete Pläne gedankliche Störungen durch unerledigte Ziele verringern konnten. Untersucht wurden begrenzte Aufgaben, keine universelle Problemlösung. Ein klarer Satz hilft mir, den ersten Arbeitsschritt zu finden.

3. Verantwortung braucht Spielraum

Eine Aufgabe zu übernehmen bedeutet für mich, dranzubleiben, Fragen zu klären und Schwierigkeiten rechtzeitig anzusprechen. Dazu gehören auch die nötigen Informationen und Handlungsmöglichkeiten.

Wer ein Ergebnis erwartet, sollte deshalb auch klären, was die andere Person tatsächlich entscheiden darf. Sonst verteilen wir Verantwortung wie beim Abendessen die Rechnung: großzügig an die anderen. Gerade in der Führung lohnt sich dieser Blick auf den eigenen Anteil.

4. Lernen darf einen Umweg machen

Wissen kann den Blick erweitern. Ein automatischer Geldeingang ist damit nicht verbunden. Die Bank überweist schließlich auch nicht für jedes gelesene Buch eine Bildungsprämie.

Für mich wird Lernen besonders interessant, wenn sich dadurch etwas verändert: eine Annahme, eine Arbeitsweise oder die Bereitschaft, jemanden um Hilfe zu bitten. Manchmal besteht der Fortschritt darin, genauer zu wissen, welche Antwort noch fehlt.

5. Bewusst entscheiden, auch über das Warten

Manches braucht eine Entscheidung. Bei manchem fehlt noch eine Information. Und manches erledigt sich tatsächlich, ohne dass dafür ein Arbeitskreis gegründet werden muss.

Gollwitzer & Brandstätter (1997) haben in einem Experiment festgestellt, dass konkrete Festlegungen zu Zeitpunkt und Ort die Umsetzung einer Schreibaufgabe unterstützten. Das war eine Untersuchung mit Studierenden und kein Erfolgsversprechen für jede Lebensentscheidung. Mir gefällt daran die praktische Anregung: Aus „Darum kümmere ich mich“ kann ein Zeitpunkt im Kalender werden.

Wenn ich abwarte, halte ich fest, welche Information mir fehlt und wann ich wieder hinschaue. Dann bekommt das Warten einen Rahmen.

Denk mal drüber nach

Welche offene Sache beschäftigt Dich gerade, ohne dass der nächste Schritt klar ist?

Nimm Dir heute fünf Minuten. Beschreibe die Sache in einem konkreten Satz. Schreibe darunter genau eine Handlung, die in Deinem Einflussbereich liegt, und lege fest, wann Du sie ausführst. Danach darf der Zettel erst einmal liegen bleiben. Du hast einen Anfang gemacht.

Zum Weiterdenken

In „Du bist OK. Mach was draus.“ beschäftige ich mich auch mit Entscheidungen und dem Leben, das nach ihnen weitergeht. Für mich steckt darin eine Erlaubnis, mit dem heutigen Wissen einen nächsten Schritt zu wählen.

Das Buch und eine kostenlose Leseprobe findest Du unter www.oskarkern.com/produkte.

„Es gibt nur Entscheidungen, die man trifft, und ein Leben, das danach weitergeht.“

Oskar Kern · „Du bist OK. Mach was draus.“, Manuskriptfassung vom 03.08.2026, S. 68.

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