Stefan war noch klein, als feststand: Sein Herz muss operiert werden. Dringend.
Acht Stunden sollte die Operation dauern. Der Arzt riet Petra und mir, ihm Stefan vertrauensvoll mitzugeben und nicht vor der Tür zu warten. Lieber einkaufen gehen, ins Kino, irgendetwas Sinnloses tun. Schweren Herzens taten wir das. Wir gingen in Linz essen und spazierten danach ein Stück die Landstraße entlang.
Die acht Stunden fühlten sich an wie acht Wochen. Ich schaute ständig auf die Uhr, und der Zeiger schien stehen zu bleiben. Vielleicht war auch nur die Batterie leer.
Dann läutete das Handy. Wir sollten zurück ins Krankenhaus kommen. Und der Arzt sagte einen Satz, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde:
»Sie können stolz sein auf Ihren Jungen. Der wollte unbedingt leben und so wird's auch werden.«
Aus dem OP gibt es ein Foto: Stefan, an Maschinen und Schläuchen. Ein paar Jahre später haben wir es für ihn laminiert, und es wurde ihm heilig. Wenn ihm jemand besonders wichtig war, hat er es hergezeigt. Fast nach dem Motto: Das war meine erste Challenge im Leben. Die Narbe am Brustbein trägt er bis heute mit Stolz, fast wie eine kleine Auszeichnung.
Und so ist es auch geworden
Stefan hat sich immer viel zugetraut und ist dabei oft auf die Nase gefallen. Mit vierzehn ist er allein von Finnland nach Hause gereist. Er stand irgendwo am Land, kein Mensch am Bahnsteig, und Finnisch konnte er nicht lesen. Also stieg er in den Zug mit dem Flugzeug-Zeichen. Gut zwei Stunden später war er am Flughafen. Sein Satz dazu steht im Buch:
»Lieber was Falsches ausprobieren als gar nix ausprobieren.«


