Ein voller Kalender hat etwas Beruhigendes. Man ist gefragt. Man wird gebraucht. Und auf die Frage „Hast Du irgendwann Zeit?“ kommt die Antwort: Februar. Eventuell.
Ausgerechnet die Person, die das alles organisiert, bekommt keinen Termin bei sich selbst. Das muss man erst einmal zusammenbringen.
Susanna Winkelhofer hat unser Gespräch für DIE MACHER „Aufwachen mit Oskar“ (https://www.oskarkern.com/api/download/aufwachen-mit-oskar-interview-diemacher) genannt. Der Titel gefällt mir. Im Bericht geht es auch um einen schlichten Gedanken: einen Termin mit uns selbst einzurichten. Um herauszufinden, wie es dem Menschen geht, der zwischen all den Aufgaben steckt.
Der Mensch hinter der Funktion
In „Du bist OK. Mach was draus.“ erzähle ich, wie ich als Kind hinter meinem Vater auf seinem alten Moped mitfuhr, die Posttasche auf dem Schoß. Er brachte die Post von Hof zu Hof und klopfte bei den Menschen an. Ich fragte mich, warum er die Briefe nicht einfach in den Kasten steckte. Erst Jahre später verstand ich, worauf es ihm ankam: den Menschen hinter der Funktion.
Heute denke ich, dass wir diesen Blick manchmal auch für uns selbst brauchen. Wer bleibt übrig, wenn Geschäftsführer, Mutter, Projektleiterin, Partner und all die anderen Bezeichnungen kurz Pause haben? Die Visitenkarte gibt darauf erstaunlich wenig Auskunft. Sie ist aber auch ziemlich klein. Vielleicht ist alles stimmig. Vielleicht gibt es etwas, das Du schon lange ändern möchtest. Dafür wäre kurz Ruhe hilfreich.
Eine Pause ohne Leistungsnachweis
Zehn Minuten mit Dir brauchen weder eine App noch ein Zertifikat. Und bitte auch keinen Monatsbericht darüber, ob Du schon ausreichend bei Dir angekommen bist.
In der Führung beginnt derselbe Gedanke ganz nah: Wie geht es mir mit dem Weg, den ich von anderen erwarte?
Ein kleiner Perspektivenwechsel
Du könntest einen kurzen Termin mit Dir ausprobieren. Mit dem Handy außer Reichweite und ohne Agenda mit sieben Unterpunkten. Eine der folgenden Fragen reicht vielleicht schon:
- Was mache ich gerade vor allem, weil ich glaube, dass es von mir erwartet wird?
- Was kommt in meinem Alltag zu kurz, obwohl es mir etwas bedeutet?
- Welche kleine Veränderung liegt tatsächlich in meiner Hand?
Es muss dabei kein neuer Lebensplan entstehen. Vielleicht fällt Dir ein Gespräch ein, das Du führen möchtest. Ein Abend, den Du freihalten willst. Oder etwas, das Du einmal anders versuchen könntest. Nicht alles lässt sich sofort verändern. Verantwortung, Gesundheit oder fehlende Mittel verschwinden durch einen Kalendertermin nicht. Aber Du könntest darin wieder eine Person treffen, deren Sicht auf die Dinge auch zählt: Dich.
Zum Weiterdenken
Die Geschichte meines Vaters und weitere Gedanken findest Du in meinem Impulsbuch „Du bist OK. Mach was draus.“. Vielleicht nimmst Du ein Kapitel und einen guten Gedanken mit in Deinen Alltag.



